Die Plaggenhütte

Geschichte

Pfälzer aus dem Raum Simmern – Bingen – Bad Kreuznach wollten Mitte des 18. Jahrhunderts nach Amerika auswandern. Kriegerische Auseinandersetzungen und religiöse Konflikte boten ihnen in ihrer Heimat keine Lebensgrundlage mehr. So brachen sie auf in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch an der holländischen Grenze bei Schenkenschanz, in der Nähe von Kleve, endete ihr Unternehmen.

Auswanderung pfälzischer Bauern, Stich. „Neu eröffneter Bildersaal“ Nürnberg und Erfurt, 1698-1763

Krieg zwischen den Niederlanden und England sowie Geldmangel zerstörten jäh ihre Hoffnungen. Über die Gocher Heide, den heutigen Dörfern Pfalzdorf und Neu-Louisendorf gelangten sie 1771 völlig mittellos auf die Bönninghardt. Mit ihren Ansiedlungen auf der Bönninghardt entstanden hier die Plaggenhütten. Unterstützung von staatlicher und kirchlicher Seite bekamen sie nicht. So nahmen sie das, was die Bönninghardt sich ihnen bot: Holz- und Heidematerial. Zuerst lebten sie in Erdlöchern, später in Plaggenhütten. Es war verboten das Holz aus dem Wald zu holen. Trotzdem schafften sie es, ihre Behausungen mit Holz und Heide zu bauen. Ein Foto solch einer Plaggenhütte aus dem Jahre 1890 ist überliefert, und zwar das der Agnes Schröder, geb. Balzen, genannt „Focken-Agnes“. Die letzte Plaggenhütte wurde 1896 abgerissen.

Plaggenhütte der Agnes Schröder,  Foto: C. A. Unverdroß, Wesel, 1890

 

Rekonstruktion:

Die Interessengemeinschaft für Geschichte und Natur hatte es sich vorgenommen, solch eine Plaggenhütte zu rekonstruieren. Es standen als Unterlagen nur das vorliegende Foto und eine Beschreibung des katholischen Pfarrers Johann Sanders (1900-1936) zur Verfügung. Er hatte nach seinem Amtsantritt die alten Bewohner nach solch einer Bauweise befragt und so seine Beschreibung erstellt, die jedoch nicht immer die tatsächlichen damaligen Verhältnisse wiedergab. Eine erste Version solch einer Plaggenhütte wurde von der Interessengemeinschaft im Jahre 2002 am Heideweg erstellt. Bereits ein Jahr später wurde sie durch Brandstiftung zerstört, kurz danach aber wieder aufgebaut. Diese erste Plaggenhütte musste jedoch im Jahre 2010 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Doch alle Bönninghardter waren sich einig: eine neue Plaggenhütte musste her.


Die erste Plaggenhütte im Jahre 2002

 

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Der Brand im Jahre 2003


 


Die nach dem Brand wieder aufgebaute Plaggenhütte im Jahre 2006

 

In Nähe der katholischen Kirche wurde im Frühjahr 2011 mit dem Bau einer neuen Plaggenhütte begonnen und im Spätsommer 2012 fertiggestellt. Die Gemeinde Alpen bietet Führungen an. Sie sind jederzeit möglich. Bitte vorher anmelden bei Jürgen Wiegert, Tel. 02802/3415 oder Johannes Schmitz, Tel. 02802/4318. Unkostenbeitrag: € 2,oo p.P.

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Die Plaggenhütte im Jahre 2012

 

Das Leben der Kolonisten an der Plaggenhütte

Wie sah das Leben der ersten Kolonisten aus? Man braucht nicht viel zu mutmaßen, es war einfach und ärmlich. Völlig mittellos und auf sich allein gestellt, fristeten sie ihr Dasein. Sie bettelten und stahlen in den umliegenden Orten, denn vom Besenbinden allein konnte eine Familie nicht leben. Nachts klopften sie die Bauern aus den Betten und baten um etwas Essbarem. Aus Angst vor großem Unglück hat der Bauer gegeben. Wegen des großen unübersichtlichen Geländes fand viel lichtscheues Gesindel hier Unterschlupf (siehe Kapitel "Räuber Brinkhoff"). Viele Kolonisten suchten Trost im Alkohol. Kein Wunder, dass die Bönninghardt in Verruf geriet. Anlässlich von Dreharbeiten des WDR im Juli 2012 wurde dieses einfache Leben an der neuen Plaggenhütte dargestellt. Alle Darsteller sind Bönninghardter Bürger.

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